Carina Bartsch wurde 1985 im fränkischen Erlangen geboren und lebt heute in Bamberg. Sie widmete sich mit Anfang zwanzig ihrer Leidenschaft dem Schreiben. Nachdem sie mit ersten Kurzgeschichten mehrere Schreibwettbewerbe gewann, wagte
sie sich 2008 an ihren Debütroman »Kirschroter Sommer«, der von sämtlichen Verlagen abgelehnt wurde. 2011 nahm Carina Bartsch die Veröffentlichung selbst in die Hand und gründete den Schandtaten Verlag. »Kirschroter Sommer« sowie
die Nachfolgebände »Türkisgrüner Winter« und »Sonnengelber Frühling« wurden zu Bestsellern und sind in sechs Sprachen erhältlich. 2017 legte sie mit »Nachtblumen« – einer einfühlsamen, authentischen Geschichte über zwei Außenseiter
– nach. Im Dezember 2024 veröffentlichte sie den ersten Band ihrer neuen Reihe „Niemannswelt“. Die weiteren Bände erschienen in kurzen zeitlichen Abständen.
Bücher von Carina Bartsch:
Carina Bartsch im Interview:
Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Hier würde ich gerne antworten, dass ich schon mit sechs Jahren meine erste Kurzgeschichte verfasst habe, und beneide alle Autoren, die das von sich behaupten können. Leider war das bei mir erst viel später der Fall, um genau zu sein, entdeckte ich meine Liebe zum Schreiben mit Anfang zwanzig. Die Liebe kam spät – dafür aber umso heftiger. Ich habe schon seit Kindheitsbeinen nach etwas gesucht, das ich tun möchte, das ich wirklich tun möchte. Und mit zweiundzwanzig Jahren saß ich vor dem PC, schrieb meine erste Kurzgeschichte und wusste auf einmal: DAS ist es. Das und nichts anderes. Auf einmal habe ich begriffen, wofür mein Herz all die Jahre geschlagen hat.
Wie es zu dieser erwähnten Kurzgeschichte kam, war purer Zufall. Seit dem Tag, an dem ich das erste wirklich gute Buch in den Händen hielt, verschlinge ich Bücher. Irgendwann war eins darunter, mit dessen Ende ich dermaßen unzufrieden war, dass ich beschloss, ein eigenes Ende zu schreiben. Das war der Anfang von allem. Und ich bin unendlich froh darüber.
Bewegst du dich immer im selben Genre?
Nein. Wenn man mal von „Drama“ absieht, das in all meinen bisherigen Geschichten eine Rolle gespielt hat, bin ich auf kein bestimmtes Genre festgelegt. Ich schreibe Liebesgeschichten, Mindfuck, pseudointellektuelle Ergüsse und drifte
auch hin und wieder gerne in die Jugendbuchecke ab. Für mich ist immer das Wichtigste, dass Geschichten, egal wie utopisch der Plot auch sein mag, real erscheinen und die Charaktere authentisch wirken.
Das einzige Genre, das mich bisher überhaupt nicht gereizt hat, ist Krimi. Vermutlich, weil ich mich als Leser auch nie dafür begeistern konnte.
Wann, wo und wie schreibst du?
Nachts. Das war schon immer so: Sobald überall die Lichter ausgehen, schalten sich meine Lichter erst an. Ich bin absoluter Nachtmensch. Wenn ich schreibe, dann muss ich voll und ganz in die Geschichte eintauchen und mich in die Charaktere einfühlen können – und das geht bei mir nur nachts. Je ruhiger die Welt um mich herum, desto lauter die Welten in meinem Kopf.
Das „Wie“ ist ein bisschen schwerer zu beantworten. Eigentlich kann man Schreiben gut mit einer Liebesbeziehung vergleichen. Am Anfang macht man die Nächte zum Tag, alles ist gut, alles ist schön … Und nach einer Weile lernt man die
Macken des Partners kennen, entdeckt auch vorher unbekannte Macken an sich selbst und kommt zu der Erkenntnis, dass eine Beziehung nicht nur Spaß, sondern auch jede Menge harte Arbeit bedeutet. Genauso verhält es sich beim Schreiben.
Als ich damit anfing, dauerte es von der Idee bis zum ersten Satz oft nur wenige Stunden. Eine Woche später standen bereits die ersten fünf Kapitel.
So läuft das heutzutage nicht mehr ab. Ich plane viel mehr im Vornherein, lass die Charaktere in meinem Kopf reifen, entwickle ein Gefühl für die Geschichte und muss die Plotstruktur sowie viele der einzelnen Stränge kennen. Natürlich
kommt beim Schreiben selbst noch eine Menge dazu oder aber es verändert sich etwas an der Handlung. Hauptsächlich deswegen, weil die Charaktere – so geht es mir jedes Mal – sich ab drei, vier Kapiteln komplett verselbständigen und
das Ruder übernehmen. Irgendwann werfe ich eigentlich nur noch die Ideen und Schauplätze ein, und die Charaktere erledigen den Rest.
Meine Planungen finden größtenteils im Kopf oder auf Notizzetteln statt, mit einer Sauklaue, die wohl nur ich selbst entziffern kann.
Letztendlich hat sich Schreiben bei mir zu einer Mischung aus Planung und Intuition entwickelt. Kreativität muss man Raum zum Atmen lassen, sobald man sie zu sehr einengt, stirbt sie.
An meiner Schreibtechnik hat sich natürlich auch einiges geändert. Früher habe ich einfach das runter geschrieben, was ich dem Leser vermitteln wollte. Eine gute Wortwahl hatte dabei nicht die höchste Priorität. Inzwischen habe ich natürlich viel dazu gelernt, bin sehr selbstkritisch geworden, lege großen Wert auf Formulierungen, flüssigen Satzbau und viele andere Kniffe, die ich mir in den Jahren angeeignet habe. Jeder Satz wird durchdacht, schließlich sind Sätze die Mosaiksteine, die am Ende das Gesamtbild ergeben. Sätze müssen klingen, nur so entsteht eine Melodie.
Der Aufwand, den ich heute betreibe, ist mit dem von damals nicht mehr zu vergleichen. Schreiben wird für mich immer eine Herausforderung bleiben, weil man niemals ausgelernt hat.
Gibt es Pläne für weitere Bücher?
Mein Kopf ist voll mit neuen Ideen. Es gibt so viele Welten, die zu Papier gebracht werden wollen, so viele Charaktere, die darauf warten, endlich zum Leben erwecken zu dürfen. Ich wünsche mir von Herzen, dass es mir gelingt, meine Leser auch mit neuen Werken begeistern zu können.